Wirtschaftsschulen
Wie Schüler witzig Vorurteile bekämpfen
Geschichtsprojekt „Startpunkt – Zielpunkt Saarbrücken“: Junge Leute erforschen Ein- und Auswanderung
Seit Monaten gehen junge Leute den Themen Einwanderung und Auswanderung in Saarbrücken nach. „Startpunkt – Zielpunkt Saarbrücken“ heißt das Projekt. Was es bewirkte und was es noch erreichen soll, war Thema eines Interviews. SZ-Redakteur Frank Kohler sprach mit Leiter Heiner Buchen sowie mit den wissenschaftlichen Begleiterinnen Nil Berber und Stefanie Valcic-Manstein.
Was ist Startpunkt-Zielpunkt Saarbrücken?
Heiner Buchen :
Das ist ein Geschichtsprojekt mit Jugendlichen. Darin wird die
Geschichte von Ein- und Auswanderung in Saarbrücken mit Blick auf die
vergangenen 100 Jahre beleuchtet. Das Dekanat Saarbrücken ist Träger,
weil die Kirche sich den Herausforderungen stellt, die es in einer
multikulturellen Stadt wie Saarbrücken gibt.
Valcic-Manstein: Wir unterstützen Jugendliche, ihre Identität zu entwickeln, ganz gleich, woher sie kommen.
Berber:
Wir arbeiten mit schulischen und außerschulischen Jugendgruppen zu
vielfältigen Themen. Das reicht von der Bestattung in den Kulturen über
Einwanderungs- und Fluchtgründe bis zum Islambild in den deutschen
Medien.
Was sind die Ziele des Projekts?
Buchen :
Wir wünschen uns, dass die Sensibilität für die hier lebenden
Einwanderer steigt und durch diese Arbeit Selbstverständlichkeiten im
Zusammenleben hinterfragt werden.
Wie erreichen Sie diese Ziele?
Valcic-Manstein:
Wir bieten Projektwochen an Schulen, organisieren Exkursionen und
machen Stadtteilbegehungen und Interviews mit Menschen in diesen
Stadtteilen. Wir erfahren dabei zum Beispiel, warum ein irakischer
Bauingenieur einen Obstladen betreibt.
Welche Rolle spielen die Schulen für „Startpunkt-Zielpunkt Saarbrücken“?
Berber:
Eine sehr wichtige. Wir erreichen dadurch unheimlich viele verschiedene
Jugendliche. Außerdem ist es für uns in den Schulen einfacher, weil wir
bereits Strukturen vorfinden und sie nicht schaffen müssen.
Valcic-Manstein: Umgekehrt haben die Schulen etwas von uns, denn sie greifen für Projekte oder Einzelveranstaltungen auf unser Know-how zurück.
Welche Schulen haben schon mitgemacht?
Buchen :
Das Ludwigsgymnasium, die Gesamtschule Rastbachtal und die
Wirtschaftsschulen in Saarbrücken. Damit und mit den außerschulischen
Aktivitäten sind bereits 800 Jugendliche erreicht worden.
Wer kann noch mitmachen?
Berber:
Bis Ende Mai können sich Schulen, außerschulische Gruppen oder Vereine
noch einklinken. Wir freuen uns über jeden, der mitmacht. Es gibt viele
Möglichkeiten, über eigene Grenzen hinauszublicken.
Was kommt demnächst?
Buchen :
Eine Messdienergruppe der Kirchengemeinde St. Lukas Bliesransbach
untersucht die religiösen Feste im Judentum und im Islam. Sie hat schon
entsprechende Kontakte nach Saarbrücken geknüpft. Im Grunde steht jetzt
noch einmal eine Phase an, in der wir Gruppen – gleich ob aus Schulen
oder anderen Bereichen – zur Mitarbeit einladen. Der Schwerpunkt lag
bisher auf dem Zusammenleben im Heute. Jetzt soll stärker die
geschichtliche Dimension bearbeitet werden. Warum kamen Menschen
hierher? Wie ist es ihnen in der Anfangszeit hier ergangen?
Andererseits geht es darum, warum Menschen in der Nazi-Zeit von hier
fliehen mussten oder warum sie deportiert wurden.
Engagierte Lehrer machen das Projekt erst möglich
Saarbrücken.
„Ich-Du-Wir und alle zwischen den Welten“ hieß in der vergangenen Woche
das jüngste Schulprojekt von „Startpunkt-Zielpunkt Saarbrücken“.
Veranstalter waren das Dekanat Saarbrücken und die Wirtschaftsschulen.
Etwa
120 junge Leute machten mit. Sie beackerten in neun Arbeitsgruppen an
vier Vormittagen große Themenfelder. „Das Kreative stand überall im
Vordergrund“, sagt Projektleiter Heiner Buchen .
Er
und sein Team sind mit den vielfältigen Ergebnissen dieser Themenwoche,
dem Einfallsreichtum und dem Engagement von Schülern und Lehrern
sichtlich zufrieden. „Es entstanden Comics, Theaterszenen und Fotos von
Orten, an denen Einwanderung eine Rolle spielt: Ein Beispiel sind Fotos
aus dem Einwanderungs- und Integrationsbüro der Stadt. Fünfzehn bis
zwanzig Plakate spiegeln die künstlerische Auseinandersetzung mit dem
Thema Einwanderung wider. Und Comics setzen sich pointiert mit
Vorurteilen auseinander.“
Buchen
und seinem Team ist nach den bisher guten Erfahrungen in den Schulen
eines besonders wichtig: „Ohne engagierte Lehrerkollegien wären solche
Projekte an Schulen nicht zu machen.“ ole
Stichwort
„Startpunkt – Zielpunkt – Saarbrücken“ dauert noch bis September. Der Träger, das Dekanat Saarbrücken, arbeitet mit dem Zuwanderungs- und Integrationsbüro zusammen. Geld kommt auch vom Bundesprogramm „Vielfalt tut gut“.Kontakt: Wer das Ganze unterstützen will oder Ideen hat, melde sich bei Heiner Buchen , Telefon (06 81) 70 06 18. ole