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Ludwigsgymnasium

Diskriminierung beginnt beim Türkenwitz

Podiumsdiskussion im Ludwigsgymnasium beschäftigt sich mit Integration von Kindern aus Einwanderfamilien

Sind Integrationsbeauftragte an jeder weiterführenden Schule sinnvoll? Das war eine der Fragen, die Schüler, Lehrer und Experten im Ludwigsgymnasium diskutierten. Integration muss früher beginnen, meint die Landesregierung.

Von SZ-Mitarbeiterin Alexandra Raetzer, Januar 2009

Saarbrücken . „Soll an jeder weiterführenden Schule ein hauptamtlicher Integrationsbeauftragter mit einem jährlichen Etat von 100 000 Euro eingestellt werden?“ Ja, sagen Hannan Chalabi und Andreas Brauer, Schüler des Ludwigsgymnasiums, und führten nach den Regeln des Wettbewerbs „Jugend debattiert“ ihre Argumente an. Ausgehend davon diskutierten am Freitag Schüler, Lehrer und geladene Experten im Ludwigsgymnasium über die Frage, wie eine bessere Integration von Kindern mit so genanntem Migrationshintergrund gelingen könnte.

„Vielfalt als Chance – Interkulturelles Lernen an weiterführenden Schulen“ lautete das Motto der von Christian Otterbach moderierten Veranstaltung. Integration darf nicht erst an weiterführenden Schulen beginnen, meint Gaby Schäfer, Staatssekretärin im Kultusministerium. Sie berichtete über Familienhebammen und Förderungsmöglichkeiten in Kindertagesstätten. Integrationsbeauftragte an Schulen seien wünschenswert, derzeit aber kaum finanzierbar.

Auch Lamine Conté, Vorsitzender des Vereins Haus Afrika, befürwortet die Idee, Integrationsbeauftragte an Schulen einzusetzen. Es sei wichtig, „Probleme nicht zu verharmlosen, sondern anzusprechen und nach Lösungen zu suchen“. Ulrike Niederländer, Lehrerin am Ludwigsgymnasium, bezeichnete den zusätzlichen Deutschunterricht für Einwandererkinder als „Tropfen auf den heißen Stein“. Dabei sei die Sprachförderung die Grundvoraussetzung für Integration.

Burkhard Jellonnek, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung im Saarland, berichtete über das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. „Fangt bei Euch selbst an“, lautet sein Appell an die Schüler. Diskriminierung und Ausgrenzung beginne bereits mit einem „vermeintlich harmlosen Türkenwitz“. Veronica Grindle stellte klar: „Nicht jeder mit Migrationshintergrund hat automatisch einen Integrationsbedarf.“ Sie ist beim Jugendamt des Regionalverbandes Saarbrücken für die Bereiche Jugendarbeit und Migration sowie Interkulturelle Pädagogik zuständig. In welchem Milieu sich Jugendliche bewegen, sei in erster Linie eine Frage der Bildung und nicht der Nationalität. Die Podiumsdiskussion war der Abschluss der Aktivitäten, die am Ludwigsgymnasium in den vergangenen Monaten im Rahmen des Projektes „Startpunkt-Zielpunkt Saarbrücken“ stattgefunden hatten.

Auseinandergesetzt hatte sich der Ethikkurs der Klassen 12 und 13 mit verschiedenen Themen wie etwa dem „Islambild in den deutschen Medien“.


Auf einen Blick
Seit einem Jahr läuft „Startpunkt-Zielpunkt Saarbrücken – ein Geschichtsprojekt mit Jugendlichen“ des katholischen Dekanates Saarbrücken und des Zuwanderungs- und Integrationsbüros der Landeshauptstadt. Während dieses Projektes erkunden und dokumentieren Jugendliche die Saarbrücker Migrationsgeschichte. Das Projekt ist Teil des Bundesförderprogramms „Vielfalt tut gut – Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“. rae
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